Kunst und Film 2 | Reservoir präsentiert:
Leslie Thornton hat die eigentliche Natur der zeitgenössischen Praxis der künstlerischen Avant-Garde neu definiert. Ihre multimedialen Experimente zur Beziehung zwischen Film, Video, Theater und Fotografie haben die Grenzen der Repräsentation und die unzähligen diskursiven Relationen von ZuschauerInnen und Bildern hinterfragt. Mary Ann Doane
Reservoir lädt mit der New Yorker Film- und Medienkünstlerin Leslie Thornton eine der wichtigsten VertreterInnen des unabhängigen Films zu ihrem ersten Auftritt in der Schweiz ein. Thorntons Filme sind zitatenreiche Arbeiten, die vor allem durch die Wiederverwendung und Neukontextualisierung von Found Footage (gefundenes Filmmaterial) auf der Klaviatur der kinematographischen Sinnproduktion spielen. Zu den Themen von Thorntons Arbeiten gehören Geschlechteridentitäten, Kolonialgeschichte und die Repräsentation des «Anderen», aber auch der Einfluss der Technik auf unseren Alltag. Beginnend mit formalen Experimenten entwickelte Thornton ihre Filme in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter in die Richtung ungewöhnlicher Erzählformen, während sie gleichzeitig den Sprung von 16mm-Film zu Video machte. Ihr Werk spiegelt damit direkt die beiden tiefstgreifenden Veränderungen im Avant-Garde-Film des ausgehenden 20. Jahrhunderts wider: das wiedererwachte Interesse an alternativen Formen des Erzählens und die Auswirkungen des Medienwechsels auf die filmische Arbeit.