Sein Traumberuf war Rennfahrer. Doch als Jean-Louis Trintignant, Sohn eines Industriellen aus der Provence, mit zwanzig nach Paris zieht, um Jura zu studieren, entschliesst er sich kurzum, Schauspieler zu werden. «Ich war das Opfer meiner fast krankhaften Schüchternheit», erklärt er später diesen Schritt. «Um sie zu verlieren, wählte ich diesen Beruf. Ich hoffte, dadurch würde etwas in mir ‹locker werden›.»
Seine Karriere begann als jugendlicher Held in klassischen und modernen Stücken, 1955 wurde er vom Film entdeckt und in der Partnerrolle mit Brigitte Bardot zum Star gemacht. Nach zweieinhalb Jahren Militärdienst in Algerien – um dem Wirbel rund um seine Affäre mit Brigitte Bardot zu entfliehen – feierte Trintignant ein Aufsehen erregendes Comeback auf der Bühne. Auch der Film wollte auf seine starke Präsenz, seine markanten Züge und seine sinnlichen Lippen nicht mehr verzichten. Seit Claude Lelouchs Film Un homme et une femme im Jahre 1966 zählt Jean-Louis Trintignant zu den gefragtesten Charakterschauspielern in Frankreich und Italien. Er ist vor allem in gesellschaftskritischen Filmen und Politthrillern zu sehen, wo er das schauspielerische Repertoire der Film-noir-Figuren perfekt beherrscht und meist sehr wortkarg und mit sparsamen Gesten, dafür mit sehr viel ironischem Understatement agiert. 1968 erhält Trintignant in Berlin den Schauspielerpreis für die Hauptrolle in Robbe-Grillets L' homme qui ment, und für den unbequemen Untersuchungsrichter in Costa-Gavras Polit-Thriller Z wurde er 1969 in Cannes ausgezeichnet. In Corbuccis Italo-Western Il grande silenzio (1968), einer filmischen Widmung Martin Luther Kings, Che Guevaras und Bob Kennedys, ist Trintignant der grosse Schweiger, der Gute, der gegen das Böse kämpft und dabei in die Hölle kommt. In Bertoluccis Il conformista (1969) spielt er als faschistischer Intellektueller eine der aufregendsten und irritierendsten Rollen und steht in zwei der letzten Filme grosser Meister vor der Kamera, in François Truffauts Vivement dimanche (1983) und in Krzysztof Kieslowskis Rouge (1994).
Das Programm wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung von: Ambassade de France en
Suisse, Bern (Colette Dick, Jacques Pécheur) und Centro di Studi Italiani, Zürich (Luisa Pavesio).