Die vier Filme vertreten unterschiedlichste künstlerische Positionen, die sich alle auf die eine oder die andere Art mit Vallotton in Verbindung bringen lassen. Der erste Film stellt den liebenswerten Thurgauer Maler Adolf Dietrich vor, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf ähnlich kühn stilisierende Art Sonnenuntergänge über dem Wasser festgehalten hat. Mit Vallotton in vielem verwandt ist auch der Bieler Dichter Robert Walser, von dem die Textvorlage zu Thomas Koerfers Film stammt. In seinem wunderbaren Roman «Der Gehülfe» werden ein kleiner Mensch und sein Schicksal auf ähnlich perfide und ironisch gebrochene Art geschildert, wie dies Vallotton kurz zuvor in seinem Roman «Das mörderische Leben» getan hat. Ganz anders der grandiose französische Schriftsteller Marcel Proust, dem der dritte Film Le temps retrouvé gilt. Dargestellt ist hier die mondäne Pariser Gesellschaft der Jahrhundertwende, in die auch Vallotton hineingeheiratet hat, die ihm aber sein Leben lang ein Dorn im Auge blieb. Während die besseren Kreise Jahr für Jahr den Sommer in den eleganten Seebädern der Normandie zu verbringen pflegten, zog er es vor, nicht weit davon im kleinen Fischerort Honfleur Quartier zu beziehen, nahe genug, um das Treiben der Gesellschaft scharf beobachten zu können, und weit genug, um bei der eigenen Arbeit nicht behelligt zu werden. Zu Journal d'une femme de chambre schliesslich lässt sich bereits in biografischer Hinsicht ein Bezug herstellen. Das Drehbuch schrieb Octave Mirabeau, der nicht nur ein enger Freund des Künstlers war, sondern auch einen vorzüglichen Text über sein Werk verfasste. Wer Vallottons künstlerisches und schriftstellerisches Schaffen kennt, wird erstaunt sein, wieviel auch in diesem Film an ihn und an seine spezifische Art des Ausdrucks erinnert. Rudolf Koella
Die Filme dieses Programm werden in Ergänzung zur Aussstellung «Félix Vallotton – Die Sonnenuntergänge» gezeigt, die noch bis am 20. Februar im Kunstmuseum Bern (www.kunstmuseumbern.ch) zu sehen ist.