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Voll das Leben | Pedro Almodóvars Frühwerk


Der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Drehbuchautor Pedro Almodóvar, heute einer der elegantesten Vertreter des europäischen Filmhandwerks, begann seine Filmlaufbahn mit anarchistisch-bunten Filmen mitten aus dem Leben von Aussenseitern und Hausfrauen. 1949 in der Region La Mancha geboren, wuchs Almodóvar in der Extremadura im Nordwesten Spaniens auf. Er durchlitt mehrere katholische Schulen, die ihn vom Glauben abkommen und dem Kino zuwenden liessen. Bigotter Katholizismus durchzieht als Thema viele seiner Filme, so auch die frühe Satire Entre tieneblas (1983). Mit 17 Jahren zog er nach Madrid. Nach dem Tode Francos im Jahre 1975 endete in Spanien der autoritäre Franquismus, und es formierte sich die ‹Movida Madrileña›, eine Kulturbewegung der städtischen Jugend, die bis in die 80er-Jahre andauerte. Diese Bewegung, die alles Schrille und Hedonistische durchleben wollte, lieferte einen idealen Nährboden für die ersten Filme Almodóvars. Als Autodidakt, der aus dem Underground schöpft, entstanden seine ersten Spielfilme. Sein Debüt Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón (1980) – gewissermassen ein Punkfilm – spiegelt die freizügige Zeit der Movida; in einer Szene des Films organisiert Almodóvar höchstpersönlich einen Erektionswettbewerb. ¿Que he hecho yo para merecer esto? (1984), in Berlin und Madrid gedreht, ist eine beispiellose Mischung aus schwarzer Komödie und Melodram. Die Hausfrau Gloria (Carmen Maura in Höchstform) führt mit ihrer Familie ein absurdes Dasein im Betonsilo eines Madrider Vororts. Durch Vermittlung der Prostituierten Cristal putzt sie bei dem erfolglosen Schriftsteller Lucas, der davon träumt, Hitler-Tagebücher zu fälschen. Ein Juwel des Frühwerks, das sich auf unvergleichliche Art mit dem italienischen Neorealismus wie auch mit dem Kino Rainer Werner Fassbinders, dem von Almodóvar am meisten bewunderten Regisseur, auseinandersetzt. Für La ley del deseo (1987) erhielt Almodóvar 1987 als erster Regisseur den schwul-lesbischen Filmpreis Teddy Award im Rahmen der Berlinale. Matador (1986) – mit Antonio Banderas in einer frühen Paraderolle – handelt von einem Stierkämpfer, der kein Blut sehen kann, und von der betörenden Liaison von Eros und Thanatos. Jener Themenkreis um Liebe, Gewalt, Tod und sexuelle Identität ist charakteristisch für die Filme Almodóvars: Sie zeigen die ProtagonistInnen nicht als Opfer ihrer exzentrischen Gelüste, sondern sympathisieren mit diesen ‹Misfits› der Gesellschaft und formulieren so ein Plädoyer für Selbstverwirklichung und Toleranz.
Mit der frivol-humorigen, quietschbunt ausgestatteten Kultkomödie Mujeres al borde de un ataque de nervios (1988) schaffte Almodóvar den internationalen Durchbruch: Der Film gewann 1988 u. a. den Europäischen Filmpreis, 1989 den begehrten spanischen Goya und wurde im selben Jahr als bester ausländischer Film oscarnominiert. Almodóvars Hommage an die Freundschaft zwischen Frauen changiert zwischen Screwball Comedy und grotesker Farce – ein unwiderstehlicher Genuss mit einem grossartigen Ensemble rund um Rossy de Palma. Elke Kania

‹Voll das Leben› Pedro Almodóvars Frühwerk wird unterstützt von Spanien Tourismus und ist in Zusammenarbeit mit dem Stadtkino Basel entstanden.

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