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Sprache der Liebe | Asta Nielsen


Asta Nielsen (1881–1972) ist – ungleich anderen Schauspielerinnen des frühen Kinos – von der Filmgeschichtsschreibung nie vergessen worden. In den Zwanzigerjahren schon wurde sie von Kritikern wie Belá Balázs und Siegfried Kracauer in ihrer Besonderheit gewürdigt und zum Teil hymnisch gefeiert. Künstler und Literaten waren von ihr ebenso hingerissen wie das internationale Massenpublikum. Nielsen begann ihre Karriere 1910 in Dänemark, zog aber schon 1911 nach Berlin, wo Paul Davidsons Projektions-AG ‹Union› ihr ein eigenes Filmatelier baute. Bis etwa zum ersten Weltkrieg drehte sie dort in Serie Filme.
Nielsen war – und das gilt es zu entdecken – nicht nur der erste weltberühmte europäische Filmstar, sie formte eine eigene Ästhetik des Spielfilms. Ein ‹Lexikon der erotischen Sprache› entfaltete sie, und dies virtuos in Tragik und hinreissender Komik. Darüber hinaus nahm sie Einfluss auf alle anderen Produktionsbereiche. Die Filmprimadonna dokumentiert dies. Solch ein umfassender Einfluss von Schauspielerinnen auf die Entwicklung des Films war in der Zeit vor dem Autorenfilm und vor dem Auseinanderdriften von Kunst und Kommerz möglich.
Asta Nielsen hatte in Dänemark am Theater begonnen und arbeitete auch nach dem Ersten Weltkrieg weiter in der Filmbranche – mit Regisseuren wie Lubitsch, Pabst, Rahn und vielen anderen. Aber wer ihr Spiel kennen lernen, eine ungeahnte kinematografische Einbildungskraft erfahren möchte, muss die frühen Filme mit ihr sehen. Hier hatte sie einen Autor und Regisseur, Urban Gad, der ihren Vorstellungen Raum gab, und Kameramänner wie Guido Seeber, die das Kameraauge einer Welt und Wirklichkeit öffneten, in der die Frau vor der Kamera sich entfalten konnte. Die Filme der Nielsen sind Teil eines Aufbruchs in eine andere Gesellschaft, wie er nicht zuletzt durch die Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts imaginiert wurde.
Heide Schlüpmann

Die Filmreihe zeigt die frühen Filme Asta Nielsens und findet in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Kinothek Asta Nielsen e.V. statt. Eine vollständige Retrospektive zeigt die Kinothek in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria in Wien. Dazu erscheint eine umfangreiche, zweibändige Publikation.